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Prolog Langsam schleppte er sich voran, immer eine Pfote vor die andere den steilen und geschlungenen schmalen Pfad hinauf an großen alten Tannen vorbei, welche bereits viele Jahrzehnte auf dem Hügel thronten und unter dem starken Wind ächzten und an ihrer Krone vom strömenden Regen gepeitscht wurden. Der Regen drang nur mühsam durch das starke Geäst der Bäume und bis zum Boden, auf welchem er wankte, hindurch. Trotzdem war sein Fell von der langen Reise, welche er auf sich nahm nass und zerzaust, eine verkrustete Wunde am rechten Hinterlauf ließ ihn hinken. Seine dunkelbraunen, fast schwarzen Augen, kannten jeden Baum, jeden Busch und jeden Stein auf diesem Pfad, obwohl er ihn seit langem nicht mehr benutzt hatte. Hier hatte es damals begonnen, hier traf er damals auf alle die er seine Freunde nannte, alle Mitglieder seines Rudels und auch seine Gefährtin, eine schneeweiße Wölfin von großer und stolzer Gestalt. Menschen würden sie als engelhaftes Wesen bezeichnen, für ihn war es einfach seine Wölfin, ein Teil von ihm, ein Teil seines Lebens. Allesamt waren sie nicht mehr da, alle waren bereits tot als der alte Wolf den alten Pfad der Wölfe hinauf trottete. Auch die Liebe seiner Wölfin war tot, voll Gram musste er sich bereits damals eingestehen, dass er als junger und unerfahrener Jungwolf viele falsche Entscheidungen getroffen hatte. Manches Mal war ihm auch sein Stolz im Weg wie auch sein Hochmut. Dies hatte er nun hinter sich gelassen, mit einem Lächeln blickte er zurück auf sein Leben als er noch jung und unbeschwert seinen Weg ging. Zurück auf die Zeiten, zu welchen er mit seinem Rudel über die Wiesen und Felder jagte, mit seinem Ziehsohn Fische jagte und mit seiner Wölfin auf dem Plateau im Mondschein lag, von welchem man das gesamte Revier des Rudels sehen konnte. Es war das Rudel des Wolftraumes, ein Rudel voller Ausgestoßener und solcher, die niemand wollte. Wölfe die anders waren und von andern Rudeln abweisend behandelt wurden wenn sich denn ihre Wege kreuzten. Neben ihm, Alrik dem Leitwolf und seiner Wölfin, welche alle nur Silver nannten gab es noch seinen Ziehsohn Rif mit seiner Wölfin Shadow. Rif sah Alrik sehr ähnlich, wenn auch von kräftigerem Körperbau, aber wies er dieselbe graue Fellfarbe auf wie Alrik. Vom Gemüt her ähnelte er ebenfalls Alrik, wenn er auch nicht ganz so mutig und töricht war wie Alrik, was ihm jedoch eine Menge Ärger ersparte. Shadow’s Fell war so schwarz wie die Nacht, sie hatte hellblaue Augen welche so hell strahlten wie der Mond bei Nacht. Sie war in ihrem Wurf der schwächste Wolf, daher war sie kleiner als die anderen und lange nicht so ausdauernd. Doch sie konnte sich anschleichen wie kein anderer im Rudel. Andrago war schon seit Alriks Kindheit sein bester Freund mit welchem er viele Abenteuer bestand und viele Kämpfe gefochten hatte. Er war von gleicher Statur wie Alrik, sein Fell wies war jedoch graubraun und er war etwas kleiner als Alrik, jedoch nicht minder stark. Melina war jüngste im Rudel, von Geburt an blind geboren kam sie mehr tot als lebendig ins Rudel vom Wolfstraum. Sie war von hoch gewachsener Gestalt und hatte ein dunkelbraunes Fell und grüne Augen, aus welchen sie jedoch nichts als die immer währende Schwärze sehen konnte. Der älteste Wolf im Rudel war Fendor, er stieß als letztes zum Rudel. Ein ehemaliger Leitwolf verstoßen vom neuen Leitwolf und dabei schwer verletzt worden, er hinkte mit dem rechten Vorderlauf, welchen er nicht mehr gebrauchen konnte. Sein zerzaustes schwarzgraues Fell zeigte sein Alter und die Tatsache dass er bereits bei der Ankunft im Rudel nicht mehr lange zu leben hatte. Als er an Silver dachte verließ das Lächeln sein Gesicht und es bekam einen Ausdruck von Leid und unerfüllter Hoffnung. Ein krachender Donner zerriss die Stille im Wald und riss auch Alrik aus seinen Gedanken. Er war fast am Ziel, früher war er weitaus schneller oben auf dem Plateau, aber das Alter und die vielen Kämpfe waren nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Seine Schmerzen ließen jedoch immer mehr nach je näher er seinem Ziel kam. Nur noch ein paar Schritte und er betrat das Felsplateau und er blieb stehen, der Mond stand genau über ihm am nächtlichen Himmel. Alrik blickte über das Land das einmal ihm gehört hatte, nun war es das nicht mehr. Seit SIE eingedrungen waren und alle tot waren. Langsam trottete er bis zum Rand des Plateaus und setzte sich auf seine Hinterläufe. Kurz durchfuhr ihn der Schmerz seiner Wunde, doch es ging vorbei. Langsam erhob er seinen Kopf zum Himmel, blickte auf seinen letzten verbliebenen Freund, den Mond. Dann öffnete er seine Schnauze und es ertönte daraus ein trauriges Klagelied welches er allen widmete die er liebte. Er dachte an sie alle und daran, dass er sie bald alle wieder sehen würde. Während er sang bemerkte er nicht den, der ihn schon die ganze Zeit jagte. Nie war er der Gejagte gewesen, nie hatte er zurückgezogen aber auch er wurde alt. Noch schlimmer, ihm war es egal, er wollte nur zu diesem Platz zurückkommen. Alrik hörte den Jäger nicht als er das Gewehr anlegte und zielte, er sang weiter sein Klagelied. Mit erhobenem Kopf singend sah ihn der Jäger im Fadenkreuz als sich der Finger krümmte und ein lauter Knall die Stille abermals zerriss und das Lied für immer zum Verstummen brachte. Alriks Kopf fiel nach vorne auf den steinigen Boden des Plateaus, Blut rann von seinen Lefzen, in seinen Augen allerdings konnte man Freude entdecken, er hatte sein Ziel erreicht. Noch bevor Alriks Kopf den Boden berührte war er bereits bei denen die er liebte und denen die er liebte. Doch war sie auch bei ihm? Alrik war tot... Hier weiter zu Kapitel 1 (demnächst) |